
Kurz vor seinem 97. Geburtstag sei er „friedlich eingeschlafen“, hieß es damals. Am 10. November jährt sich der Todestag des früheren sozialdemokratischen Bundeskanzlers (1974-1982) zum zehnten Male.
NATO-Doppelbeschluss, R.A.F.-Terror, Wirtschaftskrise – Helmut Schmidt galt als Macher, als Krisenmanager und als Mann deutlicher Worte. Beispiele:
"Die Demokratie lebt vom Kompromiss. Wer keine Kompromisse machen kann, ist für die Demokratie nicht zu gebrauchen."
"Die heutige politische Klasse in Deutschland ist gekennzeichnet durch ein Übermaß an Karrierestreben und Wichtigtuerei und durch ein Übermaß an
Geilheit, in Talkshows aufzutreten."
und auf die Frage, wie er sein Arbeitspensum schafft: "Willen braucht man. Und Zigaretten."

Besonderen Rückhalt war ihm aber vor allem seine Frau Hannelore, genannt "Loki".
Der zeitlebens überzeugte Konsument von Mentholzigaretten galt als kühler Kopf. Hinter seiner hanseatisch-rauen Schale verbarg sich aber ein empfindsamer Kern, mit besonderer Vorliebe für Kunst und Musik. Pianist oder Architekt wären denkbare Alternativen gewesen.
Bis zuletzt war der frühere Bundeskanzler eine viel gehörte Stimme in der deutschen Politik- und Kulturlandschaft und auf dem internationalen Parkett. Die Wertschätzung für ihn beruhte auf der Sehnsucht nach einem charismatischen Politiker, der Führung und Sicherheit in seinem Urteil ausstrahlt.

Die Hamburger verehrten Schmidt, richteten ihm zum Abschied aus dem Kanzleramt einen Fackelzug aus. Als er am 10. November 2015 starb, habe die ganze Stadt Anteil genommen, erinnert sich ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.
„Da standen die Menschen in Zweier- und Dreierreihen Spalier und warfen zum Teil Blumen. Das können sie nicht verordnen. Sie sehen daran aber, dass er auch in den Herzen der Menschen verankert war. Das schafft heute, glaube ich, kein Politiker mehr.“